4. Drehtag (30. Juli)

Zuerst bin ich der Meinung gewesen, die Einstellung mit dem flackernden Licht ein anderen Mal zu drehen und nicht extra wegen der einen Minute Film nicht alle Schauspieler kommen zu lassen. Aber ich habe mich glücklicherweise noch anders entschieden, weil ich die Szene wieder unterschätzt hätte. Diesmal fange ich früher an, alles aufzubauen. Auf die Setbeleuchtung verzichte ich, dafür haben wir eine Taschenlampe organisiert und der 1000W-Scheinwerfer wird mit dunkelblauer Folie versehen. Die Szene ist perfekt, Markus sagt, sie sei genau wie er sie sich vorgestellt hat. Diesmal sind wir rechtzeitig dran und können noch bei den Aigners rein. Mein Bruder steht dort im Bad und erzeugt mittels Wackelkontakt ein schönes Flackern, über Markus Handy dirigiere ich ihn.

Bei der Gegenschuss-Einstellung geht uns plötzlich der Strom aus. Es nervt zwar, aber da wir uns für diesen Abend ohnehin nicht viel vorgenommen haben, entsteht kein Stress. Nach ein paar Minuten findet Martin den Fehler: Das Kabel der Trommel ist an einer Stelle defekt und erzeugt Kurzschlüsse. Ich bitte Herrn Aigner, mir die seinige zu borgen, lege sie aus und erkenne, dass sie um fünf Meter kürzer ist, wodurch wir wieder ein kleines Problem zu lösen haben. Aber mit Martins Hilfe geht es schnell. Dieser erledigt schließlich für diese letzte Einstellung nochmals die Flackerarbeit, diesmal mittels Zweig. Circa um 23 Uhr sind wir fertig, jeder ist zufrieden und motiviert.

5. Drehtag (6. August)

Unser Darsteller für den Alex ist abgesprungen. Daniel Wolfgruber hat zu wenig Zeit. Aber dafür spielt diesen Charakter nun Florian Kampichler, der dank Gelingens der Medizinprüfung den Sommer Zeit hat. Heute kommen zum ersten Mal richtige Special Effects zum Einsatz: Kunstblut. Florian bekommt Blutflecken aufs grüne Leiberl und auf die beige Hose, dann noch kleine Spritzer auf die linke Gesichtshälfte. Die Kettensäge, deren Sägeblatt wunderschön mit dem Schriftzug „Airglide 500XL“ verziert worden ist, wird ebenfalls mit Blut übergossen.

Im Keller des Küber Hofes beginnen wir zu drehen. Alex schleicht durch den Gang. Es gelingen uns wirklich gute Lichtstimmungen und Schattenspielereien. Danach gibt’s eine kleine Pause und dann geht es weiter in den Kastellkeller, wo schon die von der Decke baumelnden Glühbirnen vorbereitet sind. Wir drehen verschiedene Einstellungen, in denen Alex den Gang hinuntergeht und ins Dunkel verschwindet. Mir gelingt ein besonders schönes Bild mit tropfendem Wasserhahn im Vordergrund, den Alex in der Szene dann auch abdreht.

6. Drehtag (9. August)

Wir drehen im Keller des Pavillon mit all seinen Fledermäusen und den alten Regalen. Alex geht vom gelben Licht des Küberhof-Kellers in das Blau des Kastellkellers. Immerzu flattern Fledermäuse herum. Einmal macht die Kamera wieder Probleme; dass der Videokopf verunreinigt sei und so weiter. Aber nach ein bisschen Spulen ist das Problem wieder im Griff.

8. Drehtag (13. August)

Erstmals kommt der lang gesuchte VW-Bus zum Einsatz. Bis zuletzt ist nicht sicher, ob Helga ihn uns für diesen Tag zur Verfügung stellen kann. Im ersten Moment scheint es auch so, als wir ohnehin schon gestresst um 13 Uhr bei ihrem Haus in Reichenau ankommen, weil sie uns sagt, dass eine Freundin von ihr einen Unfall gehabt habe und ihre Tagesplanung (was auch uns einschließt) durcheinander gebracht worden sei. Doch sie lässt sich überreden, zwei Stunden uns drehen zu lassen.

Erst gibt es eine Einführung für Patrick am Steuer des Busses. Dann bringe ich die eigens für diese Szene gekauften ND-Folien zum Einsatz, indem ich sie am Rückfenster des Busses anbringe, wobei mir Helga dankenswerter Weise hilft. Schließlich kann es losgehen. Von Erwin Gruber habe ich mir einen Weitwinkelaufsatz und zwei zusätzliche Akkus geliehen. Ersteres ist unbedingt notwendig, da im Bus selbst nicht genug Raum ist, um beide, Martin und Alex auf der Rückbank, aufs Bild zu bringen. In der ersten Einstellung lassen wir Helga in Reichenau herumfahren, während die beiden Schauspieler einen Dialog führen. Bei der Aufnahme erkenne ich, dass die Kamera einen neuen Timecode angefangen hat, obwohl ich das Band vorgeschwärzt und überhaupt schon zur Hälfte bespielt habe. Außerdem scheint die ND-Folie nicht viel zu nutzen, da das Rückfenster mir im Sucher trotzdem wie eine weiße Fläche erscheint. Deshalb stimme ich auch zu, als Helga vorschlägt, die Szenen im Bus nicht fahrend, sondern stehend, aber dafür durch Kräfte anderer schaukelnd zu drehen. Später sollte ich erkennen, dass dem Sucher nicht zu trauen ist und das Rückfenster doch transparent ist, wodurch sichtbar ist, dass die Häuser und Bäume draußen nicht vorbeiziehen, wie es bei einem fahrenden Bus der Fall sein müsste.

Wir drehen die Szene mit Tobe, der auf dem Boden sitzt und den Obstsalat hält, den Markus mit seiner Oma am Vormittag gebraut hat. Schließlich noch wie Patrick selbst fährt und mit Sandra am Beifahrersitz ein immer hitzigeres Gespräch führt. Ich staune nur so über die Improvisation dieser beiden Akteure. Es sind dies überhaupt die ersten richtigen Dialogszenen in diesem Film und nochmals erkenne ich, dass eine Nachsynchronisation unumgänglich wird. Eigentlich ist noch die Szene des Einräumens von Kisten und des Aufbruchs geplant, aber Helga scheint es wirklich eilig zu haben und so ziehen wir weiter.

Bei mir bekommen die Leute erstmal was zum Essen, dann folgt eine kurze Neugestaltung der Tagesdisposition. Erst meine ich, die Szenen mit der Ankunft im Pavillon zu drehen, da dafür die Schauspieler auch verfügbar seien. Aber Markus möchte diese Szene mehr oder weniger in einer Einstellung drehen, wozu der Bus nötig wäre. Also beschließen wir nach kurzer Überlegung mit dem Tageslicht die Szenen mit Martin beim Autofahren und mit Martin beim Tobe-Abholen und bei Nacht die Auffindung der Martin-Leiche zu drehen.

Die erste Einstellung mit Stefan Feuchtinger am Steuer des Lancers gestaltet sich äußerst amüsant durch Stefans fabelhafte freie Improvisation. Er rast durch Pettenbach und Schmidsdorf und sucht nach Tobes Haus. Dabei wird er doch tatsächlich in einer schmalen Gasse von einem Auto mit Wiener Kennzeichen aufgehalten, das dort gerade einparken möchte. Markus am Rücksitz sagt mehr im Spaß, dass er ihn anhupen und anschreien soll – was Stefan prompt macht! Leider bemerke ich beim späteren Begutachten des Materials, dass das Bild aufgrund eines Aufnahmefehlers schrecklich zittert und die Linse des Weitwinkelobjektivs verdreckt ist und sich dadurch immer wieder scheußliche Flecken im Bild ergeben.

Das Zittern verlässt uns auch nicht, als wir die nächste Szene drehen, in der Tobe aus dem Haus auf die Straße geht, Martin von hinten kommt und gerade noch abbremsen kann, Tobe die Spiele fallen lässt. Ich verwende in dieser Szene erstmals das Kamerastativ nicht senkrecht als steadycam-Mittel, sondern halte es mit beiden Armen schräg, wodurch sich ein viel ruhigeres Bild ergibt. Das Zittern hoffe ich, in der Nachbearbeitung wegzukriegen.

Während nach diesen Aufnahmen die einen zum Heurigen gehen, die anderen Pizza essen, richte ich schon alles für die Martin-Leichenszene her. Der ehemalige Hasenstall im Küberhof muss hiefür von diversen Brettern und Heu befreit, weiters ein künstlicher Türrahmen gebastelt werden. Draußen stelle ich den 1000W Scheinwerfer mit blauer Folie auf, drinnen einen gelben Scheinwerfer, den Markus flackern lässt. Martin wird mit Blut bespritzt und hingelegt. Die Kamera postiere ich circa über seinem Bauch, wodurch ich im Vordergrund seine Beine habe und im Hintergrund die Füße der anderen, die den Raum finden, und von Tobe, der eintritt, niederkniet und den Schürhaken aus Martins Hand nimmt. Alles läuft prima. Es ist circa 23 Uhr, als sich alle auf den Heimweg machen. Ich räume noch alles weg.

9. Drehtag (14. August)

Aus dem zweiten Stock des Küber Hofs tragen Markus und ich einen Schrank hinunter bis in die Werkstatt im Keller. Ich nagle eine Holztür an den Türrahmen. An den Fenstern stellen wir 500W Scheinwerfer auf. Dies alles dient der Szene, in der Alex die Lichter des Lagerraums angehen sieht und die Tür und Schrank zersägt. Es schaut alles sehr schön aus. Holzstaub haben wir leider keinen. Martin befindet sich in der Werkstatt und dreht die Scheinwerfer auf Markus’ Anweisung auf. Florian hat noch nie zuvor mit einer Motorsäge gearbeitet. So übt er zuerst an einem Brett.

Die Maschine macht einen ungeheuren Lärm und wir wissen, dass wir sie nicht zu lange verwenden dürfen, da sonst irgendjemand die Polizei ruft. Schließlich ist es 22 Uhr in der Nacht. Dann folgt die Einstellung, in der Alex die Tür zersägt. Überraschenderweise tut er dies nicht wie erwartet in Dreiecks-, sondern in Pflaumenform. Wir sind begeistert von unserer ersten Actionszene. Im Raumesinneren kommt es zu Problemen, weil Markus der Drehort nicht mehr gefällt und deshalb die ganze Produktion ins Stocken kommt. Der Kasten wird aber trotzdem zersägt, das heißt, zwei Einschnitte macht Alex. Ein Problem ist außerdem, dass die Glühbirne eigentlich baumeln sollte – weil sie dies schon in der Szene mit Klappe tut –, aber es nicht tun darf, weil Alex einfach zu wenig Zerstörung anrichtet. Das ist noch eine Spur aus der alten Trashversion der Geschichte, dass Alex vor Wut das gesamte Mobiliar zerschnetzelt. Nachdem Florian uns am Ende des Drehs auch noch vorhält, wir könnten nicht gut organisieren, bin ich vollends demotiviert.

10. Drehtag (21. August)

Wir nehmen uns die Szenen des Alex im Auto vor. Dazu begutachten Markus und ich einen abgelegenen Bauernhof am Kreuzberg, wo wir keine Menschen antreffen, nur einen Hund, der aber nur herumwinselt. In der Nacht fährt dann Alex mit dem Lancer herum und sucht den Bauernhof des Roland Schwarz. Beim Bauernhof am Kreuzberg stellen wir verwundert fest, dass wir mit dem Auto nicht bis zu den Gebäuden fahren können, sondern schon zwanzig Meter davor ein Draht uns den Weg versperrt, der am Tage noch nicht da war. Irgendwie unheimlich. Wir beschließen, an dieser Stelle nichts vom Hof zu zeigen. Im Zuge der dreimaligen Wiederholung der Autofahrt das Feld hinunter auf den Hof zu, macht sich auch der Hund bemerkbar, der aber wie wild bellt. Und schließlich geht beim Hof auch ein Licht an und wir können vage eine Gestalt erkennen, diese aber definitiv nicht uns. Kurz debattieren wir darüber, ob wir uns vorstellen sollten, lassen es aber. Auf der Mühlhofstraße im Wald drehen wir noch, wie Alex den Lancer findet und einsteigt.

11. Drehtag (22. August)

Wir fahren mit Helga hinauf Richtung Großau und filmen den Bus, wie er durch die Lande fährt. Zeitenweise filme ich von innen nach draußen als Sicht von Alex und Martin. Außerdem noch ein „Achtung-Weidegebiet“-Schild.

12. Drehtag (23. August)

Ich mache Aufnahmen von Feldern, Silos und Traktoren für die Dokumentation im Film.

13. Drehtag (24. August)

Am Tag und am Tag davor hab ich mich darum gekümmert, dass die Lichter am Traktor montiert werden. Toni hat zwei Eisenplättchen angeschweißt, ich habe mit einer Bohrmaschine und Bohrer, die mir Stefan Brandstätter geborgt hat, zwei Löcher gebohrt und Johnny hat am Abend noch die Drähte verbunden. Von der Feuerwehr borge ich mir ein Stromaggregat aus und Markus holt von der Tankstelle 5 Liter Gemisch. Circa um 21 Uhr ist der Traktor filmbereit und wir führen die Geräte in den Wald hinauf, zu einem Kanalrohr, das unter der Südbahn durchführt und dort am Damm endet. Martin fährt den Traktor. Zuerst drehen wir jene Einstellungen, in denen Alex mit den Lichtern des Traktors konfrontiert wird und vor Angst wegrobbt, sich an die Böschung lehnt und schützend die Kettensäge vor sich hält.

Florian ist wahrlich engagiert – so läuft er vor seiner schauspielerischen Darbietung erst ein paar Runden herum, um dann einen möglichst erschöpften Alex zu geben. Als wir schließlich den Traktor fahrend brauchen, lässt sich dieser nicht mehr starten. Durch den Betrieb der Lichter ohne dabei den Motor laufen zu haben scheint die Batterie entleert worden zu sein. Martin meint noch, Johnny hätte ein Gerät zum Starten. Dieser aber sagt mir, dass er besagtes Gerät nicht mehr habe, und wir überhaupt Trotteln seien, wenn wir die Batterie ausgehen lassen. Nach einer kurzen Beratungsrunde mit Christine und Martin kommen wir auf die Idee, die Batterie eines Autos auszubauen und so Starthilfe zu geben.

Gesagt, getan. Nach einer halben Stunde läuft der Traktor wieder, nachdem der Lancer mit seiner Batterie hergehalten hat, die ich im Eiltempo in den Wald geschleppt habe. Endlich kann es weitergehen. Nachdem die Einstellungen mit fahrendem Traktor abgedreht sind, begeben sich Martin und Markus nachhause, da beide am nächsten Tag früh aufstehen müssen. Markus gibt mir genaue Regieanweisungen für die nächsten Einstellungen und ich halte mich daran. Es geht darum, dass Alex bei dem Kanalrohr hinausstürzt, durch ein paar Latten davor hindurchbricht. Es ergibt sich nur ein Problem, da ich diese Einstellung nicht wie von Markus gewünscht frontal drehen kann, weil man sonst den grünen Scheinwerfer im Rohr sehen würde. Also suche ich nach einer Alternative und klettere einmal auf der Böschung herum, durch Gatsch und regennasse Blätter. Aber schließlich finde ich eine Lösung und circa um halb eins sind wir fertig, Florian und ich, und tragen alle Geräte mitsamt dem Stromaggregat zurück zum Küberhof.

14. Drehtag (27. August)

Alles ist wieder furchtbar stressig. Die Dokumentation muss fertiggestellt werden, das heißt, ich nehme mit Markus als Bauer gar noch ein paar Interviewszenen auf, die Steffi kommt schon an und fragt wann wir beginnen und noch immer weiß ich nicht, ob wir bei Sowa drehen dürfen. Schließlich bekommen wir grünes Licht. Wir fahren zu ihm hin und seine Mutter ist sehr freundlich und hilfsbereit. Erstmals erzeuge ich selbst Tageslicht, indem ich einen Scheinwerfer mit CTblue-Folie und Stativ vor das Fenster stelle.

Dann folgt der Dreh der ersten Szene im Film, der Obstsalat-Szene. Im Hintergrund läuft in meinem alten SW-Fernseher die Dokumentation, tatsächlich ein bisschen verschwommen. Der Obstsalat ist auch schon aufgetaut und sehr grauslich – schließlich ist er zwei Wochen lang tiefgefroren gewesen. Dann gibt es noch ein, zwei schauspielerische Improvisationsszenen, wobei Patrick diesbezüglich anfangs noch etwas eintönig ist („Iss dein’ Kuchen!“). Ich werde kurz nervös, als Stefan Feuchtinger anruft und mir sagt, er müsse seiner Oma beim Heurigen helfen und könne deshalb erst am Abend erscheinen. Aber bald darauf sagt er mir doch zu.

Anschließend fahren wir zu Helga (unterwegs schütte ich den halben Obstsalat in Markus’ Auto), wo wir die Dialogszene von Alex und Martin nachdrehen, weil man beim ersten Dreh durch das Rückfenster gesehen hat, dass der Bus gar nicht fährt. Diesmal schließe ich einfach den Vorhang. Zum Schluss gibt es noch die Szene, wo Alex, David und Sandra aus dem Haus gehen und in den Bus einsteigen.

Während des Drehs taucht auch plötzlich Helga auf und weist uns darauf hin, dass die Nachbarn sich wegen des lauten Tür-auf-zu-Geräuschs beschweren würden und wir es einstellen sollten. Nachdem die Schauspieler abgefahren sind, unterhalten wir uns noch mit Helga über den Bus und begeben uns dann ebenfalls nachhause, wo alle erstmal auf Erholung zum Heurigen der Feuchtinger-Oma geschickt werden, auf Filmkosten. Ich bleibe alleine zurück und baue alles im Pavillonwald auf für die Szene, in der die Kuh gefunden wird. Aber aufgrund der sinkenden Motivation der Schauspieler und eines Martin Rella, der für Christoph wegen Krankheit den Roland Schwarz Part übernommen hat, aber auch schnell wieder nachhause will, erkennen wir im Nachhinein, dass die Aufnahmen großteils nicht zu gebrauchen sind. Den Spezialeffekt „Kuh“ haben wir auch unterschätzt, denn trotz Kuhfleckendecke von Markus und Simon Rella darunter als Füllung wirkt das Ganze nicht glaubhaft.

16. Drehtag (7. September)

Nach einer mehrtägigen Drehpause aufgrund Verhinderung zweier Schauspieler und meinerselbst machen wir uns an die ersten Szenen im Bauernhof des Roland Schwarz (gedreht am Kuntnerhof in Kirchberg am Wechsel) heran. Ich habe wieder einmal die Arbeitszeit völlig unterschätzt. Steffi hat darum gebeten, noch am selben Tag nach Wien zurückfahren zu können, da sie am nächsten Tag früh zur Schule müsste. Somit war die Anforderung gegeben bis spätestens 21 Uhr 45 fertig zu sein, um sie und auch Jasmin auch noch zum Neunkirchner Bahnhof zu fahren. Außerdem hat die Familie Kuntner Gäste und die wollen ab 22 Uhr Ruhe.

Aber es kommt alles anders. Ich habe mir vorgestellt, alle Fenster zu verhängen, um somit auch noch bei Tag Nachtszenen im Haus drehen zu können. Nun stellt sich aber bei Begutachtung des Drehorts heraus (ich bin schon eine Stunde früher hinaufgefahren), dass sich die Fenster im Stiegenhaus, in dem sich die Hälfte der geplanten Szenen abspielen, wegen ihrer Größe nicht verhängen lassen. Also beschließe ich, mit dem Dreh im Wohnzimmer zu beginnen, da dort alles abgedunkelt werden kann. Vorher stellen wir noch fest, dass sich der Tisch nicht wie geplant umlegen lässt, und sind gezwungen schnell eine Alternative zu finden. Dafür muss schließlich die blaue Couch herhalten.

Irgendwann kurz vor 20 Uhr beginnen wir zu drehen. Nach der ersten Einstellung folgt eine Szene, in der Tobe und Jennifer miteinander reden, natürlich alles improvisiert. Doch genau das entpuppt sich anfangs als äußerst schwierig, da die beiden überhaupt nicht ernst sind und sich nicht in die Situation einfühlen können. Nach etlichen Minuten Drehzeit bricht Markus die Arbeit ab und geht mit den Schauspielern nach draußen. Ich nutze inzwischen die Zeit eine ordentliche, filmische Beleuchtung aufzustellen. Nach ein, zwei Zigaretten kommen alle wieder herein und endlich funktioniert die Szene. Doch dann erkennt Markus, dass die geplante Hehmann-Erzählung nicht mehr in den Dialog, die Situation, überhaupt in die ganze Geschichte passt. Während wir nach einer Alternative für die Übergangsszene vom emotionsgeladenen Dialog zu den Einstellungen mit dem Gewehr suchen, erfahren wir von Lilli, der Tochter des Hauses, dass wir im Stiegenhaus gleich und rasch drehen sollen, wenn wir das noch wollen.

Ich habe schon längst realisiert, dass wir niemals in der Sollzeit bleiben werden und bitte Steffi und Jasmin, erst am Morgen nach Wien zu fahren. Die beiden stimmen zu. (Überhaupt hat sich ihr Stundenplan geändert, wodurch einerseits Jasmin befähigt worden ist, am Dreh teilzunehmen und andererseits Steffi auch nicht mehr am Vormittag in die Schule muss.) Nach dieser organisatorischen Erleichterung machen wir weiter.

Die Szenen im Stiegenhaus verlaufen gut. Wir machen natürlich etwas Lärm, sind aber bemüht, uns leise zu verhalten. Trotzdem erscheint circa um 23 Uhr Frau Kuntner auf der Bildfläche und verlangt sofortige Ruhe. Gottlob sind wir mit den Stiegenhausszenen fertig. Draußen im Hof drehen wir noch zwei Szenen: Den 1000W-Scheinwerfer richte ich nämlich gegen die weiße Hauswand und erzeuge somit ein schön weiches, aber auch helles und vor allem filmisches Licht, mit dem wir wunderbar arbeiten können. Danach drehen wir im Wohnzimmer die übrigen Szenen.

Circa um halb eins sind wir fertig. Am nächsten Morgen rufe ich bei Kuntner an und entschuldige uns für den Lärm.

18. Drehtag (10. September)

Heute steht die Szene an, in der Alex und Martin die Garage finden und letzterer der beiden zersägt wird. Hiefür habe ich nach langem Suchen drei Stellagen bereitgestellt, die mittels Anhänger nach Kirchberg zum Kuntnerhof gekarrt werden. Ich stelle alles auf, teste das Garagentor und verhänge das Fenster der Garage. Doch bis wir endlich zu drehen beginnen ist es schon so finster, dass ich die Teppiche und Decken wieder entfernen kann und mit dem 1000W-Scheinwerfer blau von draußen hineinleuchte, was den Effekt von Mondlicht oder ähnlichem erzeugt. Anfangs hat Markus noch die Idee, eine Einstellung des Alex und Martin zu drehen, in der sie auf den Hof zugehen. Alles läuft sehr gut. Ich kann nahezu alles mit dem blauen Licht von außen und dem Licht der Glühbirne drehen. Die Szenen sind wirklich atmosphärisch und schaurig. Wieder arbeiten wir bis spät in die Nacht – wieder habe ich mich etwas verschätzt und Lilli weist mich gegen Mitternacht darauf hin, dass ihre Mutter uns endlich raus haben will. Um halb eins sind wir schon weg.

19. Drehtag (16. September)

Ich will an diesem Tag alle restlichen Szenen am Kuntnerhof abdrehen. Ich bin um halb vier schon oben und baue auf, das heißt, ich stelle ein paar Scheinwerfer vor die Fenster und versehe sie mit oranger Konversionsfolie. Eigentlich wollte ich mit echtem Sonnenlicht drehen, das um diese Zeit gerade schön flach morgendlich in die Räume scheinen würde. Aber an diesem Tag ist es bewölkt. Wie ich so meine Scheinwerfer postiere, sehe ich plötzlich einen Streifen Sonne an der Wand und denke mir: „He, kommt jetzt die Sonne heraus?“ Doch dann komme ich drauf, dass dies ganz gewöhnliches Scheinwerferlicht ist, ungefiltert. Sofort nehme ich alle orangen Folien ab und betrachte das Bild mal durch die Kamera. Dank dem eingebauten Filter lässt sich das Scheinwerferlicht tatsächlich dahingehend verändern, dass es wie das milde Licht eines Sonnenaufgangs wirkt.

Um fünf Uhr treffen endlich die Schauspieler ein und wir können auch sogleich zu drehen beginnen, denn unsere Auflagen lauten: Um 22 Uhr müssen wir fertig sein, da dann Nachtruhe zu herrschen hat im Hause Kuntner. Es läuft auch alles wie geschmiert. Als wir mit den Tageslichtszenen fertig sind, ist es draußen schon dunkel genug, dass wir gleich mit den Nachtszenen fortfahren können. Eigentlich möchte ich zuerst alle Szenen drehen, in denen Roland vorkommt, da Christoph um 21 Uhr weg muss, aber irgendwie vergessen wir darauf und so kommt es, dass Christoph erst um 21 Uhr 30 abfahren darf.

Wir schaffen es schließlich, bis 22 Uhr alle Szenen im Haus abgedreht zu haben, einschließlich diverser Nachdrehs. Dann folgt zusammenräumen und ein, zwei Drehs im Freien, die sich durch den leichten Regen etwas erschweren. Wir hätten auch schon um 23 Uhr fertig sein können, wenn nicht vor der allerletzten Einstellung der letzte Akku leer geworden wäre. So muss ich ihn für circa eine Viertelstunde anstecken.

Nach dem letzten Shot für diesen Tag und überhaupt für alle Dreharbeiten am Kuntnerhof machen wir uns noch zum geselligen Ausklang ins lokale Salettl auf, wo die Schauspieler noch auf ein Getränk eingeladen werden.

21. Drehtag (14. Oktober)

Abscheuliche Terminschwierigkeiten behindern uns bei den Dreharbeiten, erst nach fast einem ganzen Monat geht es weiter. Dafür gestalten sich die darauf folgenden zwei Drehtage als besonders anstrengend. An jenem Samstag drehen wir ab Einbruch der Dunkelheit in Helgas Bus. Die Frau sagt mir, dass es nicht sicher ist, ob am Sonntag der Bus zur Verfügung stehen kann, da sie den Motor beim Autobahnfahren irgendwie beschädigt haben dürfte und das Licht außerdem auch. Mir bleibt nichts übrig, als sie zu bitten, den Fehler zu beheben. Ich baue das Licht auf, einen indirektes gelbes als Autoscheinwerfer und eigentlich auch ein weißes, das durch kontinuierliches Auf- und Abdrehen Straßenlaterneneffekt bewirken soll. Das verwende ich dann jedoch nicht.

Zu drehen beginnen wir erst um 20 Uhr, weil manche Schauspieler dem Glauben verfallen sind, dass sie sich schön Zeit lassen könnten. Egal. Nachdem die Szenen abgedreht sind, begeben wir uns nach Küb zum Pavillon, wo Markus mit Johannes und Jasmin die „romantische“ Unterhaltung während der Party bespricht, während ich mit Florian, Stefan und Patrick Einstellungen der Autofahrt nach der Party drehe. Danach geht es bei den anderen weiter. Ich versuche den Pavillon blau auszuleuchten, erkenne aber, dass ich den Scheinwerfer nicht hoch genug anbringen kann, um die Figuren keine Schatten gegen die Wand werfen zu lassen. Also baue ich lediglich ein indirektes weißes „Mondlicht“ auf. Nach dieser Szene drehen wir noch den Anfang des Streits.

Später bei Begutachtung des Materials sollten wir noch eine unangenehme Überraschung erleben, da die Kamera offensichtlich bei Kälte und gegen Ende des Bandes fehlerhafte Bilder aufzeichnet. Als letzte Szene für diesen Tag haben wir uns den Nachdreh des Kuhfunds vorgenommen und beinahe breche ich den Dreh ab, weil Tobes Taschenlampe nicht funktioniert. Aber wir drehen sie dennoch und siehe da, dann leuchtet die Lampe plötzlich auch. Zum Glück sind uns während der Arbeit die verpixelten Bilder der Kamera aufgefallen, worauf ich die Kassette gewechselt habe.

Circa um halb drei Uhr Früh sind wir endlich fertig und packen alles zusammen. In dieser Nacht fahre ich noch nach Payerbach in den Jugendraum, dem Drehort für den nächsten Tag, und betrachte das Ergebnis einer Party, die an jenem Abend dort stattgefunden hat.

22. Drehtag (15. Oktober)

Nach dreieinhalb Stunden Schlaf mache ich mich an die Arbeit, den Jugendraum zusammenzuräumen und drehkompatibel zu machen. Wieder beginnen wir später als geplant, nämlich erst um 13 Uhr. Ich komme nochmals in den Genuss, Szenen filmisch auszuleuchten. Und wir kommen alle in den Genuss, Profigitarristen Berni Kafol beim Fingerspiel zu hören. Ich filme nur seine Hände, im Film Martins Hände, der auf der Bühne sitzt und spielt.

Als wir fertig sind, erhalte ich von Helga den Anruf, dass sie den Bus zwar zum Laufen gebracht habe, aber ihn nur bis 20 Uhr zur Verfügung stellen könne. Dies bedeutet, dass an diesem Tag die Szene des Unfalls nicht gedreht werden kann. Also bestelle ich sie jedenfalls für 17 Uhr in die Waldstraße und packe alles zusammen.

Zu besagter Zeit drehe ich mit ihr eine Außenaufnahme vom fahrenden Bus. Danach begeben wir uns zum Pavillon, wo wir die Ankunft des Busses beim Partyhaus drehen. Die Szene, in der die Gruppe aussteigt und ins Haus geht, wird mit Martins Handkamera gefilmt. Zum ersten Mal in diesem Film, dass ich keine Kamera machen muss! Ich staune über jenes entspannende Gefühl.

Die Schauspieler machen wirklich gute Arbeit und man sieht, dass sie immer mehr zu jener Gruppe von Figuren werden, die sie im Film verkörpern. Für die Pause bis zum Einbruch der Dunkelheit ist Pizza bestellt und Markus und ich gehen die nächste Szene durch: die Fortsetzung des Streits und die Abfahrt des Busses. Hiefür bringe ich am Dach des Pavillons den 1000W-Scheinwerfer an, damit dieser mondlich von oben leuchte. Bis auf abermals schlechte Bildqualität der Kamera läuft alles sehr gut. Natürlich wechsle ich die Kassette.

Die Einstellung des wegfahrenden Busses gestaltet sich als besonders riskant und schwierig, weil Helga um 20 Uhr wegmuss und zu jenem Zeitpunkt es kurz davor ist und weil ich mich mit der Kamera vom beleuchteten Set entferne und deshalb Steffi proportional zu meiner Distanzierung das Licht hochdimmen muss. Geplant ist, Helga mit dem Bus gleich weiterfahren zu lassen, was eigentlich bedeutet, dass wir nur einen Versuch haben, die Szene zu drehen.

Doch der erste Dreh ist schlecht: zu langsam fährt sie weg, zu früh bleibt sie stehen, sodass die Rücklichter des Busses noch zu sehen sind. Als ich ihr das sage, schlägt sie aber vor, die Szene erst am nächsten Tag zu drehen, worauf ich sie bitte, es doch noch einmal zu versuchen. Sie sagt zu, gibt aber zu bedenken, dass sie den Bus nun nicht mehr den Weg im Rückwärtsgang hinaufbekomme. Sofort rufe ich alle herbei zum kollektiven Anschieben. Wir schaffen es, den Bus wieder auf Startposition zu bringen und drehen die Szene noch einmal – mit Erfolg.

An jenem Abend steht nur noch die Party an. Da diese aber wiederum mit der Handkamera gefilmt wird, habe ich wieder Arbeitspause und betrachte mit Markus das Spiel der Akteure von außen durchs Fenster. Nachdem eine Stunde Material gesammelt ist, drehen wir noch die Szene von Alex, Martin und David nach dem Streit. Danach ist es für diesen Tag geschafft.

23. Drehtag (20. Oktober)

Zwei weitere Schauspieler kommen hinzu: Markus Speringer und Simon Rella. Ersterer spielt den Moderator in der Bar, der nach einem desaströsen Auftritt des kleinen Emil (gespielt von Simon) Martin mit seiner Gitarre aufruft. Das Schwierige an dieser Szene ist, die Bühne, das Licht und die Kamera wieder so zu postieren, dass das Bild circa dem entspricht, was wir am 15. Oktober gedreht haben. Im Anschluss drehen wir an der Bar des Jugendraums eine surreale Einstellung des Moderators und dem kleinen Emil auf der Theke jonglierend stehend.

24. Drehtag (22. Oktober)

Gottseidank: Es ist herrliches Wetter. Die für diesen Abend geplante Szene („Unfall“) würde mich dennoch einige Nerven kosten, nicht zuletzt zu einem großen Teil, weil es der letzte offizielle Drehtag sein soll, denn die Kälteresistenz unserer Darsteller gegen den einziehenden Herbst erreicht ihre Grenzen. Außerdem will Helga den Bus nicht mehr lange herborgen müssen, weil sie ihn verkaufen, umbauen oder sonst was will.

Und das Beste ist: Johannes ist plötzlich krank geworden, hat zuviel gesoffen oder was am Tag davor. Nachdem wir mit Steffi und Patrick die letzte Einstellung im Film, das Rapsfeld, auf den Feldern zwischen Köttlach und Pottschach gedreht haben, versuchen wir vergeblich Johannes zu überzeugen, doch nur für eine Stunde vorbeizuschauen. Dabei sei seine Rolle in der Unfallszene noch die kleinste! Aber er ist nicht loyal genug, jedoch bei 39 Grad Fieber sei es ihm verziehen. Also werden wir die Szene so drehen, dass Tobe nicht zu sehen ist (aber letztlich zu hören sein wird).

Zwischen halb sechs und sechs trudeln langsam alle übrigen Schauspieler ein. Auch Lilli habe ich hergebeten, wegen des Kombis. Stefan hilft mir, das Stromaggregat vom Feuerwehrhaus zu holen und im Wald aufzustellen. Danach transportiere ich das restliche Filmgerät zur Waldstraße, wo ich außerdem noch zwei Pannendreiecke aufstellen lasse. Ich bitte Lilli und Helga das eine Ende der Waldstraße zu bewachen und Stefan Reihs, ein Freund Patricks, der glücklicherweise gerade aufgetaucht ist, das andere. Nun hofften wir auf wenig Verkehr und nachsichtige Anrainer.

Circa um 18 Uhr 30 beginnen wir mit der ersten Einstellung. Markus hat die ganze Szene in einigen Elementen soweit minimalisiert, dass wir rasch vorankommen. Nach den schauspielerischen Szenen drehen wir noch Außenaufnahmen des Busses und sind danach – fertig! Alles hat sich gefügt und ich bin sehr froh darüber.

Die letzte der schwierigsten Szenen ist abgedreht und damit der letzte offizielle Drehtag beschlossen. Während die Schauspieler es sich beim Mostheurigen Kobermann schon gemütlich machen, hilft Markus mir noch wegräumen und abtransportieren. Danach begeben wir uns ebenfalls zum Kobermann, wo wir noch eine Zeitlang alle beisammensitzen, um anschließend bei mir daheim bis spät in die Nacht noch Making-Of Aufnahmen zu schauen.

25./1. (Nach-)Drehtag (22. Dezember)

Der Rohschnitt ist fertiggestellt und wir erkennen nun schon, was nicht passt, was noch fehlt. Markus sind die Barszenen zu starr und möchte sie verwackelt haben. Um dies zu bewerkstelligen projizieren wir die Szenen im Theatersaal Kastell Küb an die Wand und filmen sie noch mal ab – verwackelt.

26./2. (Nach-)Drehtag (13. Jänner)

Ein Teil der Einstellungen, in denen Martin mit der Kettensäge getötet wird, stehen auf dem Programm. Wir haben uns im Vorfeld geeinigt, keine – wie eigentliche geplante – Splatterszene daraus zu machen, sondern vielmehr nur kurze Aufnahmen von Martins schreiverzerrtem Gesicht, spritzendem Blut und seinen zappelnden Beinen. Drehort ist die Werkstatt im Küberhof, wo ich einen Scheinwerfer für das „Garagenlicht“ aufstelle. Da fällt uns auf, dass wir eine Person zu wenig sind, da einer das Licht flackern und ein anderer mit dem Klobesen, der mit Kunstblut getränkt ist, Stefans Gesicht voll spritzen sollte. Da aber nur Markus, Stefan und ich da sind, beschließen wir, die Szene einmal ohne Blut und einmal ohne Flackern zu drehen, und diese beiden in der Nachbearbeitung zu vereinen. Zum Glück ist es nicht kalt (wie schon der ganze Winter – was uns sehr gelegen kommt, da wir dadurch keinen Schnee in unseren Nachdrehs haben würden) und Stefan friert nicht ob seiner blutbefleckten Kleidung.

27./3. (Nach-)Drehtag (4. Feber)

Markus und ich ziehen mit der Kamera und dem Stativ durch Küb und suchen nach weiteren Einstellungen, nämlich einer Fernsehantenne und von Flugzeugen. Später am Abend, als es schon Nacht geworden ist, fahren wir noch die Straße von Köttlach nach Penk hinauf, um dort einen geeigneten Platz zu finden, von dem aus wir die nächtlichen Ortschaften im Tal filmen können. Wir entscheiden uns für eine Wiese, die leicht von Schnee bedeckt ist und von eisigem Wind beherrscht wird. Mit verringerter Verschlusszeit fange ich die fernen Lichter in einem Schwenk ein.

28./4. (Nach-)Drehtag (5. Feber)

Im Nachhinein ist Markus die Idee gekommen, eine eigene Einführung für Roland einzubauen. Diese würde daraus bestehen, dass man sieht, wie er die Elektrokettensäge (die eigentlich noch ein Relikt aus vergangen Drehbuchdiskussionen ist) zusammenbaut, im Kombi verstaut und den Motor startet. Die letzteren beiden Handlungen haben wir an jenem Tag wieder am Kuntnerhof gedreht, da wir die Garagenkulisse brauchten. Christoph musste sich wieder in Schale werfen, auch wenn er darüber murrte. Und er musste eine schwere Autobatterie an einer Kette befestigt über die der Schulter einige Meter schleppen. Aber die Szene funktionierte auch gut. Nach knapp eineinhalb Stunden waren wir mit den wenigen Einstellungen fertig.

29./5. (Nach-)Drehtag (10. Feber)

Markus und ich begeben uns ins Touristenhaus in Küb, wo wir beim vorletzten Dreh ein paar Gartenzwerge entdeckt haben. Nachdem ich mich nach dem Besitzer (Frau Herta) und nach Strom (Okky) für die blauen Scheinwerfer erkundigt habe, platziert Markus die Gartenzwerge neu in einem anderen Sträucherbeet. Bei Einbruch der Dunkelheit bauen wir zwei kleine Scheinwerfer mit dunkelblauer Folie auf und ich beginne, in einer Kamerafahrt mehrmals hintereinander das Beet und die Zwerge abzulichten. Nach diesen ersten „Übungsshots“ erkenne ich, dass das Bild zu verwackelt ist, da ich ja die Kamera nur wenige Zentimeter über dem Boden halten und dabei seitwärts gehen musste. Um meine unruhigen Hände auszugleichen, montiere ich daraufhin die Kamera am Stativ und filme das ganze nocheinmal- diesmal das Gerät auf den Kopf gestellt. Das Bild ist nun zwar horizontal verkehrt, aber wesentlich flüssiger.

Nach dem Abbau gehen wir uns erstmal aufwärmen bei Cornflakes und Suppe, um anschließend im Keller des Küberhof noch ein paar Einstellungen von kaputten Fahrrädern, Waschbecken und sonstigen verspinnwebten Gerätschaften abzudrehen.

Eigentlich haben wir noch vor, die Szene zu drehen, in der Roland die Kettensäge zusammenbastelt (die erst seit kurzem mit dabei ist), aber wir erkennen, dass sie noch nicht genug gereift ist. Somit packen wir zusammen und gehen ins warme Haus. Auch die Einstellung des in der Pfanne brutzelnden Spiegeleis ist neu. Sie gehört in die morgendliche Endszene des Films. Deshalb stelle ich auch einen Scheinwerfer auf und schalte bei der Kamera den Weißabgleich auf natürliches Licht. Um ein bisschen mehr Schatten zu erzeugen, hänge ich eine Tür mit Glasfenster aus, die Markus dann zwischen Licht und Herd festhält. Das Bild von der Pfanne wird immer besser. Schließlich klatsche ich den Inhalt zweier Eier hinein und drücke auf Record.

30./6. (Nach-)Drehtag (14. Feber)

Auf Markussens Wunsch fange ich ein paar Silhouetten von Wald gegen Himmel in der Dämmerung ein. Dies passiert im Wald, wo die Straße durchführt, auf welcher wir einst die „Unfalls“szene gedreht haben.

31./7. (Nach-)Drehtag (22. Feber)

Die Einstellungen zur Einführung Rolands stehen an diesem Abend auf dem Programm. Simon flackert mit dem Licht, während Markus Rolands Hände spielt, die ein Kabel durchtrennen und es an einer Autobatterie anbringen. Die Arbeit gestaltet sich schwieriger als gedacht, da nicht nur die Kamera wieder einmal spinnte, sondern auch das Licht nicht leicht zu postieren war. Für die Szene habe ich mir Grubers Weitwinkelobjektiv ausgeborgt.